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Lernen ein Leben lang

Gepostet am 10. August 2016 um 3:45

Warum Bildung den entscheidenden Unterschied macht!

Gleich zu Beginn des Abends haben wir aufgrund eines Teilnehmervotums festgehalten, dass wohl in den letzten Jahrzehnten so etwas wie eine kollektive In-Frage-Stellung von Autoritäten, ausgelöst durch die 68er Bewegung, stattgefunden hat. Viele Autoritäten wurden und werden immer noch öffentlich in Frage gestellt. Vor allem hierarchische Machtstrukturen, Missbrauch und Hochstapelei wurden an den Tag gebracht. Wir waren uns ziemlich einig, dass echte Vorbilder eher rar geworden sind - sowohl in der Bildung bei den Lehrenden, in der Wirtschaft bei den Führungskräften, im Gesundheitssektor bei Ärzten und natürlich auch in der Familie. Vorbilder sind jedoch für uns Menschen wichtige Lernorientierungen. Kinder beobachten und wollen ausprobieren, was funktioniert und was sie lieber anders tun wollen. Werte, soziale Kompetenzen, Umgang mit Herausforderungen und Fehlern werden uns vorgelebt und wir entscheiden durch Beobachten und innerem Spürsinn (eher als mit Vernunft), was uns gefällt. Natürlich übernehmen wir manchmal auch unbewusst Dinge, die uns eigentlich gar nicht gefallen und die wir erst im späteren Leben reflektieren. Unsere Erfahrungen als Kind, bilden die Grundlage für unser späteres Lernverhalten. Die Sehnsucht nach integren Vorbildern und sinnvoller Führung im Sinne von Orientierung ist gross.

Die Wertevielfalt und die Möglichkeit für den einzelnen von uns, sich selbst zu definieren und immer wieder neu zu entwerfen, hat für viele eine gewisse Orientierungsproblematik zur Folge. Gleichzeitig bietet dies natürlich auch grosse Chancen zu Neuentwicklungen und Innovation. Wir stehen vor der Herausforderung und der Aufgabe, Bewährtes mit Neuem zu verbinden und evolutionär (oder revolutionär?) neue Wege zu finden.

Veränderungen die bereits im Gange sind oder noch auf uns zukommen

Die in den nächsten 5 – 30 Jahren anstehenden demografischen Veränderungen werden unsere Denkweise und Lösungsfindungen neu prägen. Eine neue Zivilgesellschaft wird die ihr gegebenen Möglichkeiten nutzen und sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellen müssen. Zum Beispiel:

• Die Geburtenrate in Amerika (der neuen Welt) und in den Entwicklungsländern nimmt weiterhin zu

• Die Geburtenrate in Europa (der alten Welt) nimmt ab

• ab 2030 werden über 50% der Erwerbsfähigen Menschen in Europa über 55 Jahre alt sein

• Frauen werden in der Arbeitswelt immer mehr gebraucht und können Karriere machen

• Durch die bereits stattfindende Völkerwanderung in und nach Europa wird die kulturelle Durchmischung immer grösser

• Ressourcenknappheit bewirkt ein neues Konsumentenverhalten

Was hat das für die nächste Generation für Konsequenzen? Wie und was müssen die jungen Menschen von heute lernen, um auch im globalen Kontext wettbewerbsfähig zu bleiben? Müssen sie noch mehr leisten als jetzt bereits von ihnen verlangt wird? Wie sieht es mit den älteren Generationen aus; müssen auch diese sich darauf vorbereiten, viel mehr in Bewegung zu bleiben und bereit zu sein, bis 75 + im Arbeitsleben zu bleiben?

Oder ist es genau umgekehrt, und wir stellen auf Modelle wie Lebensarbeitszeit bzw. Phasenmodelle um, in denen vorgesehen ist, dass wir während einer Anzahl Jahre arbeiten und Geld verdienen und uns zu andern Zeiten unseren Familien, dem sozialen Umfeld und der gesellschaftlichen Veränderungen widmen dürfen (oder müssen)? Was muss passieren, damit sich unser System von der jetzigen Wachstumsabhängigkeit und Linearität lösen kann? Wie verändert das unsere Erwartungen und Bedürfnisse? Bietet das vielleicht sogar die Möglichkeit, mehrere Berufe in einem Leben auszuführen? Wenn ja, würde das also bedeuten, dass Bildung in Zukunft noch viel wichtiger wird und neue Formen annehmen muss?

Arten und Orte des Lernens heute

Erziehung, Schule, humanistische Bildung, Weiterbildung, Training, Arbeit, Lebensschule, Bücher, Zeitung, Internet, Persönlichkeitsentwicklung, praktisches Lernen, Lehrstellen und Handwerk. Offene Fragen, welche sich uns und den kommenden Generationen aufdrängen:

• Welches sind die entscheidenden Kompetenzen der Zukunft?

• Werden wir hier in Europa von den Schwellenländern überholt?

• Wie wichtig sind Vernetzung, soziale und virtuelle Netzwerke und Sprachen?

• Welchen Einfluss hat virtuelles Lernen?

• Wie stellen wir praktisches Lernen in Zukunft sicher?

• Welche Art von Handwerk braucht es und wie werden diese in Zukunft erlernt?

• Wie können wir unsere Kinder bei ihrer Entwicklung sinnvoll auf ihre Zukunft vorbereiten?

• Was verstehen wir heute unter einem gebildeten Menschen und wie sieht das in Zukunft aus?

Mögliche Lösungsansätze und Hypothesen

In unserem Dialog haben wir weiter festgestellt, dass wir meistens anders lernen, als von unseren Eltern, Lehrern oder Vorgesetzten erwartet wird. Durch hartnäckiges Fragen haben wir uns weiter ins Thema vertieft und nach möglichen Antworten gesucht. Diese bestehen vorläufig hauptsächlich aus neuen Fragen, Vermutungen und Hypothesen.

1. Ist es denn eigentlich noch sinnvoll, Schule im traditionellen Sinn durchzuführen? Klassen von Gleichaltrigen zu bilden mit einem Lehrenden, der vermittelt und prüft? Wie wäre es, wenn unsere Kinder zum Beispiel in Lernhäuser gehen dürften, wo sie sich je nach Geschmack um jemanden scharen könnten, der oder die sie einfach fasziniert und interessiert? Menschen die Wissen haben und dieses als Angebot in einem bestimmten Lernfeld arrangieren. Oder solche, die aus ihrer persönlichen Begeisterung heraus narrativ andere Menschen zum Lernen animieren möchten.

2. Welche Folgen haben technische Entwicklungen wie z.B. Internet auf unser zukünftiges Lernverhalten? Hat die in der Vergangenheit so zentrale persönliche Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden für das Lernen noch dieselbe Bedeutung? Braucht es die physische Anwesenheit von Lehrpersonen? Lernen und studieren wir tatsächlich besser, wenn wir uns auf didaktisch optimal aufbereitete Internetpräsentationen einlassen? Oder ist es unabdingbar, um Informationen in brauchbares und umsetzbares Wissen und Können umzusetzen, in sozialer Interaktion mit anderen erfahrenen Menschen zu sein?

3. Würde das Fehlen von positiven Vorbildern uns entwicklungstechnisch um Jahrhunderte zurückwerfen oder gerade DEN entscheidenden Schritt in die Zukunft bedeuten? Wie findet ohne Vorbilder unsere Persönlichkeitsentwicklung statt? Wie lernen wir Krisenbewältigung? Wie stellen wir es an, dass wir Spass und Lust am (verordneten) Lernen behalten?

4. Was braucht es, damit wir unsere Sinne offen halten, Sinnhaftigkeit und Sinnlichkeit nicht verlieren? Können wir Lernen und Lehren an die Informatik, das Internet und andere neuen Medien delegieren? Inwiefern sollten wir darauf achten, dass wir („seelisch“;) nicht verarmen und wichtige Fähigkeiten verlieren? Was inspiriert uns selbst und andere? Wie wird bereits errungene und noch zu entwickelnde Weisheit erhalten und vermittelt bzw. gefunden?

Ein wenig Umdenken in gewissen Bereichen könnte hilfreich sein

a) Zum Beispiel wenn es uns gelingt, vom dominanten Haben- Modus (Profit- und Wachstum - Denken) wieder mehr in den Seins - Modus (Lebensqualität im Hier und Jetzt) zu geraten, was bereits im letzten Jahrhundert von Erich Fromm formuliert wurde. Was ist wirklich wesentlich im Leben?

b) Wenn es weiter gelingen könnte, das typisch westlich geprägte duale Denken (z.B. gut/böse, schwarz/weiss, richtig/falsch) zu relativieren und mehr in Richtung „Sowohl als auch“- Denken zu rücken, könnte auch das uns helfen, die Perspektive zu wechseln und neue Lösungswege zu finden?

c) Was das Lernen und die Berufsgestaltung der Zukunft angeht, waren die meisten der Meinung, dass die Transformation von Informationen (z.B. aus dem Internet) in brauchbares und in die Praxis umsetzbares Wissen und Können weiterhin zumindest zum Teil durch Lernen von erfahrenen Menschen und in Form von Begegnungen stattfinden soll. Denn so stellen wir sicher, dass wir sowohl Bewährtes mit in die Zukunft nehmen, als auch neuen Lernformen ihren Platz geben können.

Alessandra Bodmer & Martin Kunz

 

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