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NOVAprudentia, Institut für den bewusst gestalteten Gesellschaftswandel, Gründerin Alessandra C. Bodmer

www.novapru.ch

anzeigen:  Gesamt / Zusammenfassung

Bewusst Resilienz aufbauen

Gepostet am 28. Februar 2017 um 8:45 Comments Kommentare (7)

 

Sind Selbststeuerungskompetenz und Widerstandsfähigkeit lernbar?

Die zurzeit herrschenden Rahmenbedingungen an so manchem Arbeitsplatz, in der Schule und auch in vielen Familien benötigen eine aussergewöhnliche Fitness und Widerstandskraft. Die Situation ist für unseren Wohlstand erstaunlich ausgeprägt und zeigt in Form von hohen Gesundheits- und Sozialkosten, dass wir offenbar gerade an einem kollektiven Schwächezustand leiden. Was können jeder von uns jedoch tun, um sich und seine Familie zu stärken?

Kurz gesagt bedeutet Resilienz: „die Fähigkeit einer Person oder einer sozialen Gruppe, mit belastenden Lebensumständen erfolgreich umzugehen und darauf Bewältigungskozepte zu entwickeln“ Dies schreibt der Psychologe Jürg Frick 2007. Wenn man sich jedoch mit dem Phänomen der Resilienz etwas tiefer beschäftigt bemerkt man, dass vor allem seit 2000, der Jahrtausendwende also, die Wissenschaft und Literatur auf verschiedenen Ebenen sich mit diesem Thema beschäftigen. Der Begriff Resilienz wird vom amerikanischen Psychologen Normen Garmezy erstmals eingeführt und ist ein Begriff der auch in der Soziologie benutzt wird. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und kommt von resilire ‚zurückspringen' ‚abprallen' und wird als psychische Widerstandsfähigkeit verstanden. Die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit Resilienz verwandt sind Begriffe aus der Medizin wie die «Salutogenese», Widerstandsfähigkeit «Hardiness», aus der Neurobiologie Bewältigungsstrategie «Coping» und Selbsterhaltung «Autopoiesis» nach Humberto Materana. Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit und wird als «Vulnerabilität bezeichnet».

Auch in der Philosophie sind Ansätze zu finden. In Salzburg am internationalen Forschungszentrum für soziale und ethische Fragen gab es 2012 ein Buchprojekt mit dem Titel „Philosophie der Resilienz“. Sei es in der Medizin in mit dem Stichwort „Salutogenese“, in der Bildung mit der Konzentration auf den pädagogischen Aufbau der gesellschaftlichen Widerstandskraft von Kindern, in der Wirtschaft mit dem Aufbau sozialer Kompetenzen von Führungskräften und gesunden, leistungsfähigen Mitarbeitenden oder Eltern, die versuchen ihren Kindern die bestmöglichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben mitzugeben. Alle gehen sie von der Grundhaltung aus, dass wir unser Leben selbst bestimmen und lenken können und das Resilienz lernbar ist.

Die Globalisierung und das aktuelle Weltgeschehen seit der Jahrtausendwende scheint uns im Kollektiv stärker verunsichert zu haben, als wir es wahrnehmen wollen.

Im Rahmen von NOVApru, haben wir schon 2012 einen Event zum Thema gestaltet, der so viel Interesse ausgelöst hat, dass wir ihn zwei Mal anbieten mussten. Seither beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema, begleite Menschen in schwierigen Veränderungen mache präventive Konfliktarbeit und Resilienzförderung. Die Erfahrungen aus dieser empirischen Arbeit haben mich dazu geführt ein E-Book darüber zu schreiben, welches noch in Bearbeitung ist. Folgende Punkte als Grundlage für eine gute Resilienz, möchte ich Ihnen jedoch schon in diesem Artikel näherbringen:

• Liebevolle Grundlagen in der Ursprungsfamilie

• Eine grundsätzlich positive Selbstwahrnehmung

• Eine zuversichtliche Zukunftsorientierung

• Das Gefühl der Gemeinschaft (z.B. einer gleichgesinnten Gruppe anzugehören)

• Die Fähigkeit zur Selbststeuerung

• Die Bereitschaft zum Wandel und zum Lernen

• Emotionale und soziale Kompetenzen

• Selbstreflexionsfähigkeit und Problemlösungserfahrung

• Erfahrung und Überzeugung der eigenen Beeinflussungsmöglichkeit und Wirksamkeit

• Eine gewisse Robustheit und Aushaltevermögen sowohl auf körperlicher, geistiger und mentaler Ebene. Gesteuert durch z.B. durch Gestaltung, Bewegung und/oder Kontemplation

• Das Wissen, wann Hilfe zu holen ist

• Fokussierung auf das Sinnvolle und Wesentliche und angemessener Umgang mit Stress

In einer Studie über Bewältigungsstrategien von Erwachsenen im Arbeitsumfeld wurden zwei Grundsatzstrategien herausgearbeitet:

1. Die sachlich orientierte Problemlösungsstrategie

2. Die die Emotionen regulierende Strategie

Die wichtigste Erkenntnis dabei war, dass erst die Zweite dazu beiträgt, dass nachhaltiges Lernen wirklich stattfinden kann. Es nützt also langfristig nicht viel, sich nur an der kurzfristigen Problemlösung zu orientieren, denn erst das Reflektieren und Einbeziehen der Gefühle scheint das entscheidende Element zu sein, damit Menschen Resilient sein können. Angemessene Bewältigungsstrategien, der Aufbau eines guten Selbstbewusstseins und die entsprechende Selbstregulierungsfähigkeit entwickeln zu können, sind zentrale Faktoren für den Erfolg.

Resilient zu sein, bedeutet also gezielte Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Herausforderungen gebildet zu haben. Die Berücksichtigung der seelischen Aspekte ist dabei zentral. Dafür werden bereits in der Kindheit die Grundlagen gelegt. Das bedeutet, dass Eltern im Familienkontext bereits aktiv dazu beitragen können, ihren Kindern die Möglichkeit für die Entfaltung gesunder Resilienz mitzugeben.

Corina Wustmann, diplomierte Pädagogin hat sich 2004 wissenschaftlich mit den Ressourcen für den Aufbau von Resilienz beschäftig. Sie macht dabei folgende Unterschiede, die für Eltern wichtig zu wissen sind:

• Kindbezogene Faktoren (z.B. positive Temperamentseigenschaften)

• allgemeine Resilienzfaktoren (z.B. Selbstregulationsfähigkeit)

• Faktoren des erweiterten sozialen Umfeldes (z.B. positive Rollenmodelle)

• Faktoren innerhalb der Familie und in Bildungsinstitutionen (z.B. Wertschätzung und Struktur)

Dabei streicht sie die Wichtigkeit eines gesunden Selbstbewusstseins und den Erwerb von sozialen Kompetenzen besonders hervor. Je mehr Möglichkeiten ein Mensch in seinem Leben bekommt, diese beiden Dinge zu lernen und zu verankern, desto besser sind seine Voraussetzungen für hohe Resilienz. Ein angeborener Optimismus, Neugierde und Lernbereitschaft, die Fähigkeit zur guten Verarbeitung erlebter Rückschläge, auch Spiritualität scheint ein wichtiger Faktor zu sein und natürlich die vorhandenen körperlichen Gesundheitsressourcen. Damit ein Kind Widerstandsfähigkeit entwickeln kann, braucht es mindestens eine stabile Bezugsperson, die Vertrauen und Autonomie vorleben und fördern kann, das muss nicht einmal ein Elternteil sein, sondern kann auch eine Tante, ein Grossvater, eine Lehrerin oder sogar später ein Chef sein – ein einziges positives Rollenmodell im Leben eines jungen Menschen genügt, um diese Fähigkeit aufbauen zu können. Das ist eine beruhigende Nachricht für all die alleinerziehenden Eltern, die es heutzutage gibt.

Weitere Faktoren sind emotional positives, strukturierendes und unterstützendes Erziehungsverhalten und ein demokratischer aber auch klar Grenzen aufzeigender Erziehungsstil. Wenn es dann noch innerhalb der Familie gelingt Feinfühligkeit und Empathie mit konstruktiven Kommunikationsformen vorzuleben, sind die Voraussetzungen optimal. Auch in der Schule kann daran gearbeitet werden. Wertschätzendes Klima und klare, transparente und vor allem konsistente Regeln und Strukturen gehen auf die Schülerschaft über und tragen zu einer resilienzfördernden, konstruktiven Schulkultur bei. Es erscheint ganz logisch, wenn wir hören, dass; egal ob am Arbeitsplatz, in der Schule oder Zuhause eine angemessene positive Verstärkung der Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft den Menschen hilft. Trotzdem scheint gerade dies zurzeit in vielen Firmen, Schulen, Familien und Institutionen schwierig in der Umsetzung zu sein.

Wenn wir wissen wie wir Resilienz fördern können, haben wir die Möglichkeit etwas zu verändern. Ein weiterer Faktor dafür ist es auch zu wissen, was beim Aufbau von Resilienz hinderlich ist. Angst und Druck in jeder Form, sind die Dinge, die uns immobil und unfähig zum Denken und Handeln machen. Wenn wir existenzielle Ängste in der Familie oder am Arbeitsplatz haben müssen und dazu noch dauernd von negativen politischen Nachrichten, Panikmache und Worst Case Szenarien beeindrucken und verunsichern lassen, werden wir in unserem Denken und Handeln geschwächt und unsere Zuversicht sinkt. Wir werden unsicher, ziehen uns zurück, sind überfordert und nicht mehr resilient.

Als Zusammenfassung kann man sagen, dass bewusstes Vorleben von Vertrauen, Mitgefühl, guten Umgang mit Veränderungen und Konflikten, Zusammengehörigkeit und Anerkennung, nicht nur für uns Erwachsene, sondern auch ganz besonders für unsere Kinder sehr wichtig sind, um gesunde Voraussetzungen für erfolgreiche Lebensstrategien und Selbstvertrauen zu haben. Jeder von uns hat es also in der Hand daran zu arbeiten und mitzuhelfen, sowohl unsere individuelle, als auch unsere kollektive Resilienz zu stärken und zu pflegen.

Wer sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen möchte, kann sich auf www.novapru.ch informieren oder mich persönlich kontaktieren. Gerne stehe ich auch für Gespräche, Vorträge oder massgeschneiderte Seminare zur Verfügung.

Alessandra C. Bodmer

Dipl. Organisationsentwicklerin, Betriebspsychologin und Linguistin

25. Februar 2017

 

Lernen ein Leben lang

Gepostet am 10. August 2016 um 3:45 Comments Kommentare (0)

Warum Bildung den entscheidenden Unterschied macht!

Gleich zu Beginn des Abends haben wir aufgrund eines Teilnehmervotums festgehalten, dass wohl in den letzten Jahrzehnten so etwas wie eine kollektive In-Frage-Stellung von Autoritäten, ausgelöst durch die 68er Bewegung, stattgefunden hat. Viele Autoritäten wurden und werden immer noch öffentlich in Frage gestellt. Vor allem hierarchische Machtstrukturen, Missbrauch und Hochstapelei wurden an den Tag gebracht. Wir waren uns ziemlich einig, dass echte Vorbilder eher rar geworden sind - sowohl in der Bildung bei den Lehrenden, in der Wirtschaft bei den Führungskräften, im Gesundheitssektor bei Ärzten und natürlich auch in der Familie. Vorbilder sind jedoch für uns Menschen wichtige Lernorientierungen. Kinder beobachten und wollen ausprobieren, was funktioniert und was sie lieber anders tun wollen. Werte, soziale Kompetenzen, Umgang mit Herausforderungen und Fehlern werden uns vorgelebt und wir entscheiden durch Beobachten und innerem Spürsinn (eher als mit Vernunft), was uns gefällt. Natürlich übernehmen wir manchmal auch unbewusst Dinge, die uns eigentlich gar nicht gefallen und die wir erst im späteren Leben reflektieren. Unsere Erfahrungen als Kind, bilden die Grundlage für unser späteres Lernverhalten. Die Sehnsucht nach integren Vorbildern und sinnvoller Führung im Sinne von Orientierung ist gross.

Die Wertevielfalt und die Möglichkeit für den einzelnen von uns, sich selbst zu definieren und immer wieder neu zu entwerfen, hat für viele eine gewisse Orientierungsproblematik zur Folge. Gleichzeitig bietet dies natürlich auch grosse Chancen zu Neuentwicklungen und Innovation. Wir stehen vor der Herausforderung und der Aufgabe, Bewährtes mit Neuem zu verbinden und evolutionär (oder revolutionär?) neue Wege zu finden.

Veränderungen die bereits im Gange sind oder noch auf uns zukommen

Die in den nächsten 5 – 30 Jahren anstehenden demografischen Veränderungen werden unsere Denkweise und Lösungsfindungen neu prägen. Eine neue Zivilgesellschaft wird die ihr gegebenen Möglichkeiten nutzen und sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellen müssen. Zum Beispiel:

• Die Geburtenrate in Amerika (der neuen Welt) und in den Entwicklungsländern nimmt weiterhin zu

• Die Geburtenrate in Europa (der alten Welt) nimmt ab

• ab 2030 werden über 50% der Erwerbsfähigen Menschen in Europa über 55 Jahre alt sein

• Frauen werden in der Arbeitswelt immer mehr gebraucht und können Karriere machen

• Durch die bereits stattfindende Völkerwanderung in und nach Europa wird die kulturelle Durchmischung immer grösser

• Ressourcenknappheit bewirkt ein neues Konsumentenverhalten

Was hat das für die nächste Generation für Konsequenzen? Wie und was müssen die jungen Menschen von heute lernen, um auch im globalen Kontext wettbewerbsfähig zu bleiben? Müssen sie noch mehr leisten als jetzt bereits von ihnen verlangt wird? Wie sieht es mit den älteren Generationen aus; müssen auch diese sich darauf vorbereiten, viel mehr in Bewegung zu bleiben und bereit zu sein, bis 75 + im Arbeitsleben zu bleiben?

Oder ist es genau umgekehrt, und wir stellen auf Modelle wie Lebensarbeitszeit bzw. Phasenmodelle um, in denen vorgesehen ist, dass wir während einer Anzahl Jahre arbeiten und Geld verdienen und uns zu andern Zeiten unseren Familien, dem sozialen Umfeld und der gesellschaftlichen Veränderungen widmen dürfen (oder müssen)? Was muss passieren, damit sich unser System von der jetzigen Wachstumsabhängigkeit und Linearität lösen kann? Wie verändert das unsere Erwartungen und Bedürfnisse? Bietet das vielleicht sogar die Möglichkeit, mehrere Berufe in einem Leben auszuführen? Wenn ja, würde das also bedeuten, dass Bildung in Zukunft noch viel wichtiger wird und neue Formen annehmen muss?

Arten und Orte des Lernens heute

Erziehung, Schule, humanistische Bildung, Weiterbildung, Training, Arbeit, Lebensschule, Bücher, Zeitung, Internet, Persönlichkeitsentwicklung, praktisches Lernen, Lehrstellen und Handwerk. Offene Fragen, welche sich uns und den kommenden Generationen aufdrängen:

• Welches sind die entscheidenden Kompetenzen der Zukunft?

• Werden wir hier in Europa von den Schwellenländern überholt?

• Wie wichtig sind Vernetzung, soziale und virtuelle Netzwerke und Sprachen?

• Welchen Einfluss hat virtuelles Lernen?

• Wie stellen wir praktisches Lernen in Zukunft sicher?

• Welche Art von Handwerk braucht es und wie werden diese in Zukunft erlernt?

• Wie können wir unsere Kinder bei ihrer Entwicklung sinnvoll auf ihre Zukunft vorbereiten?

• Was verstehen wir heute unter einem gebildeten Menschen und wie sieht das in Zukunft aus?

Mögliche Lösungsansätze und Hypothesen

In unserem Dialog haben wir weiter festgestellt, dass wir meistens anders lernen, als von unseren Eltern, Lehrern oder Vorgesetzten erwartet wird. Durch hartnäckiges Fragen haben wir uns weiter ins Thema vertieft und nach möglichen Antworten gesucht. Diese bestehen vorläufig hauptsächlich aus neuen Fragen, Vermutungen und Hypothesen.

1. Ist es denn eigentlich noch sinnvoll, Schule im traditionellen Sinn durchzuführen? Klassen von Gleichaltrigen zu bilden mit einem Lehrenden, der vermittelt und prüft? Wie wäre es, wenn unsere Kinder zum Beispiel in Lernhäuser gehen dürften, wo sie sich je nach Geschmack um jemanden scharen könnten, der oder die sie einfach fasziniert und interessiert? Menschen die Wissen haben und dieses als Angebot in einem bestimmten Lernfeld arrangieren. Oder solche, die aus ihrer persönlichen Begeisterung heraus narrativ andere Menschen zum Lernen animieren möchten.

2. Welche Folgen haben technische Entwicklungen wie z.B. Internet auf unser zukünftiges Lernverhalten? Hat die in der Vergangenheit so zentrale persönliche Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden für das Lernen noch dieselbe Bedeutung? Braucht es die physische Anwesenheit von Lehrpersonen? Lernen und studieren wir tatsächlich besser, wenn wir uns auf didaktisch optimal aufbereitete Internetpräsentationen einlassen? Oder ist es unabdingbar, um Informationen in brauchbares und umsetzbares Wissen und Können umzusetzen, in sozialer Interaktion mit anderen erfahrenen Menschen zu sein?

3. Würde das Fehlen von positiven Vorbildern uns entwicklungstechnisch um Jahrhunderte zurückwerfen oder gerade DEN entscheidenden Schritt in die Zukunft bedeuten? Wie findet ohne Vorbilder unsere Persönlichkeitsentwicklung statt? Wie lernen wir Krisenbewältigung? Wie stellen wir es an, dass wir Spass und Lust am (verordneten) Lernen behalten?

4. Was braucht es, damit wir unsere Sinne offen halten, Sinnhaftigkeit und Sinnlichkeit nicht verlieren? Können wir Lernen und Lehren an die Informatik, das Internet und andere neuen Medien delegieren? Inwiefern sollten wir darauf achten, dass wir („seelisch“;) nicht verarmen und wichtige Fähigkeiten verlieren? Was inspiriert uns selbst und andere? Wie wird bereits errungene und noch zu entwickelnde Weisheit erhalten und vermittelt bzw. gefunden?

Ein wenig Umdenken in gewissen Bereichen könnte hilfreich sein

a) Zum Beispiel wenn es uns gelingt, vom dominanten Haben- Modus (Profit- und Wachstum - Denken) wieder mehr in den Seins - Modus (Lebensqualität im Hier und Jetzt) zu geraten, was bereits im letzten Jahrhundert von Erich Fromm formuliert wurde. Was ist wirklich wesentlich im Leben?

b) Wenn es weiter gelingen könnte, das typisch westlich geprägte duale Denken (z.B. gut/böse, schwarz/weiss, richtig/falsch) zu relativieren und mehr in Richtung „Sowohl als auch“- Denken zu rücken, könnte auch das uns helfen, die Perspektive zu wechseln und neue Lösungswege zu finden?

c) Was das Lernen und die Berufsgestaltung der Zukunft angeht, waren die meisten der Meinung, dass die Transformation von Informationen (z.B. aus dem Internet) in brauchbares und in die Praxis umsetzbares Wissen und Können weiterhin zumindest zum Teil durch Lernen von erfahrenen Menschen und in Form von Begegnungen stattfinden soll. Denn so stellen wir sicher, dass wir sowohl Bewährtes mit in die Zukunft nehmen, als auch neuen Lernformen ihren Platz geben können.

Alessandra Bodmer & Martin Kunz

 

Die Sehnsucht nach mehr Achtsamkeit

Gepostet am 10. August 2016 um 3:40 Comments Kommentare (0)

Eine Aufforderung zum gemeinsamen Üben!

Haben Sie sich auch schon Gedanken gemacht wie wir mit der aktuellen Situation bezüglich Fortschritt in der Gesellschaft umgehen könnten? Wir haben es getan. Die erste Tafelrunde des Institutes für die bewusste Gestaltung des Gesellschaftswandels NOVApru hat unter dem Titel: „Was haben Achtsamkeit und Fortschritt in der heutigen Zeit miteinander zu tun?“ stattgefunden.

NOVApru will, die gemeinsame Entwicklung einer verständlichen Sprache zu aktuellen Themen in den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit und Wirtschaft fördern. Der bewusste und neugierige Umgang miteinander im kultivierten Gespräch pflegen, anstatt Debatten und Diskussionen zu führen und sich zu positionieren. In unserer ersten Runde haben wir bewusst auf eine Vorstellungsrunde verzichtet. So konnten wir sicherstellen, dass wir uns auf die anwesenden Menschen im Hier und Jetzt konzentrieren und die Beteiligten sich im Gespräch wohl fühlen konnten, ohne Einfluss von Titeln und anderen intellektuellen Leistungen. Mit offenen Fragen haben wir uns auf das Gespräch und den Dialog eingelassen. Sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede wurden behandelt möglichst ohne zu werten und mit dem Interesse voneinander zu lernen. Das Beziehungsdreieck von Achtsamkeit, Fortschritt im Zusammenhang mit Bildung war an diesem Abend im Zentrum unserer Gedanken. Da es dabei nicht nur um die Bildung der Kinder in der Schule, sondern auch um die Erwachsenenbildung ging, haben wir auch aus der Perspektive der Wirtschaft darüber geredet. Ein inspirierender Austausch! Wenn auch Sie sich für achtsamen Fortschritt interessieren, dann klicken Sie hier und hören Sie sich Teile des Dialoges an. www.dracon.info

Die Erkenntnisse aus dem Gespräch waren einstimmig und sinnbildlich. Es wurde klar sichtbar, das ein starkes Bedürfnis in ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft nach Sinnhaftigkeit und Achtsamkeit besteht. Hier eine Liste von Fragen, die wir behandelt haben. Vor der jeweiligen Frage ist die Zeit angegeben, wo auf dem Tonträger Sie durch das Verschieben des Cursors den dazugehörigen Inhalt abhören können:

• Haben Afrika und Asien im Fortschritt und in der Achtsamkeit etwas miteinander zu tun.

• Wie sehr wird Achtsamkeit in der Schule und in der Bildung heute gelebt?

• Müssen Führungskräfte und Manager der heutigen Zeit auf Taubstumm schalten um überhaupt überleben zu können?

• Was ist der Unterschied zwischen Bildung und Weisheit?

• Schalten wir in der heutigen Gesellschaft das Thema Achtsamkeit als Überlebensstrategie aus?

• Kann Achtsamkeit in Form von stringenter Ritualisierung auch Druck auslösen?

• Was ist Achtsamkeit eigentlich?

• Wie wird in der Schweiz Achtsamkeit gelebt?

• Wie können wir unsere Wahrnehmung schulen? (siehe Rosinenübung am Schluss)

• Was haben, in der heutigen Zeit die Bereitschaft Verantwortung und Disziplin zu leben, mit Lebensqualität und Achtsamkeit zu tun?

• Welche Auswirkungen hat das Tempo, mit dem wir unterwegs sind auf uns, unseren Körper und unser Wohlbefinden?

• Woher kommt unser Leistungsdenken und wie gehen wir damit um?

• Wie kommen wir an unsere tägliche Dosis Information und wie viel davon ist nötig. Was machen diese Informationen mit uns?

• Welches sind die Konsequenzen von achtsamem Verhalten für den Einzelnen?

• Stärkenorientierung in der Bildung von Kindern und Erwachsenen?

• Wie viel Bewahrertum und wie viel Pioniertum brauchen wir in der Umsetzung?

• Ist Achtsamkeit im Schulbetrieb ein USP für Bildungsinstitutionen?

• Trägt Achtsamkeit und Stärkenorientierung zu Effektivität und Spass bei?

Wenn wir in der heutigen Zeit von Fortschritt sprechen, meinen wir sofort alle zu wissen was damit gemeint ist. Das letzte Jahrhundert war geprägt vom wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Fortschritt. In nur hundert Jahren haben wir Schritte gemacht, die noch zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts undenkbar waren. Wir haben vieles erreicht, sinnvolle und hilfreiche Erfindungen wurden gemacht, Wohlstand und Wachstum wurde errungen. Wir könnten mit mehr Zufriedenheit auf die Vergangenheit zurückblicken; viele schauen jedoch mit grösseren Bedenken in die Zukunft …

…wie sieht es denn mit der Zukunft aus? Können wir so wie bisher weitermachen? Es ist sicher sinnvoll sich Gedanken über nicht bedachte Folgen und Konsequenzen unserer Errungenschaften zu machen. Sozusagen Innovation am Fortschritt zu betreiben, unser Denken und Handeln der aktuellen Situation anzupassen und neu zu definieren. Zur näheren Auseinandersetzung möchte ich hier die aktuelle Definition aus dem virtuellen Lexikon zur Verfügung stellen:

„Fortschritt wird bezeichnet als eine – zumeist im positiven Sinne verstandene – Änderung eines Zustandes. Gegenbegriffe sind Rückschritt oder Stillstand. Fortschritt und Innovationen begünstigen einander. Die Deutung von Geschichte unter der Interpretation einer Fortschrittsentwicklung bezeichnet man als fortschrittstheoretische Geschichtsdeutung wie es zum Beispiel zahlreiche Vordenker der Aufklärung getan haben. Der gegensätzliche Ansatz wird als verfallstheoretischer Geschichtsdeutungsansatz bezeichnet. Dazu gehören Stichworte, wie „Goldenes Zeitalter“ oder „Ende der Geschichte“.“

Besonders interessant ist jedoch der nächste Abschnitt:

„Der Fortschritt in der Entwicklung von Individuen kommt durch Wachstums- und Lernprozesse zustande. Wobei sich der Lernfortschritt aus der Veränderung von Situationen ergibt, die dazu führen, dass sich das Individuum durch Anpassung fortwährend Kompetenzen aneignet, mit deren Hilfe neue Situationen immer besser bewältigt werden können. Rückschritt oder Stillstand in dieser Entwicklung würde bedeuten: „Krankhafte“ und mangelnde Kompetenz, mit der Realität umzugehen.“

Passt das nicht vorzüglich in die heutige Zeit. Ist das nicht ein selbstredender Aufruf in Bewegung zu bleiben?

Geben wir auch der Achtsamkeit Aufmerksamkeit und schauen, ob wir Achtsamkeit und Fortschritt miteinander in Verbindung bringen können. Interessant ist; liest man die Definition des Wortes Achtsamkeit im virtuellen Lexikon, wird es im Vergleich zum Wort Fortschritt schnell offensichtlich, dass wir es in unserem Alltag nicht so oft benutzen, denn es scheint viel schwieriger zu beschreiben. Hier ein Versuch sich bei der Definition von Achtsamkeit auf das Wesentliche zu konzentrieren:

Mit Achtsamkeit ist diejenige geistige Einstellung oder Grundhaltung gemeint, in der man sich um ein breites Achtgeben mit hoher Aufmerksamkeit bemüht. Das bedeutet ein aktives Beobachten von Bewusstseinsinhalten, die „im Geist“ in der „Seele“ oder im "körperlichen Bewusstsein" auftauchen. Dabei geht es um die Wahrnehmung oder Vorstellung von physischen, intellektuellen und emotionalen Prozessen sowohl im Inneren als auch nach Aussen.

Die Einübung und Entwicklung einer derart breiten Aufmerksamkeit sich selbst und anderen gegenüber ermöglicht ein offenes und umfassendes Gewahr werden – und mit der Zeit schließlich auch beständiges Gewahr bleiben – der geistigen, seelischen und körperlichen Vorgänge von sich selbst, anderen Menschen und sozialen Beziehungen.

Es hat eine hohe Konzentration auf die Wahrnehmungen vom eigenen Handeln und Verhalten in der jeweiligen Umwelt zur Folge. Durch die bewusste und stetige Auseinandersetzung soll, das Aufmerksamkeitsfeld nach und nach ausgedehnt werden. Damit soll eine "Bewusstseinserweiterung" im besten Sinn des Wortes erreicht werden und zu einer "weitwinkelartig", vernetzten, offenen und wachen Präsenz voller Aufmerksamkeit oder eben Achtsamkeit im Denken und Handeln führen.

Indem wir nun die beiden Begriffe in Zusammenhang bringen, entstehen neue Perspektiven und interessante Lernverbindungen. Warum Fortschritt nicht einmal im Sinne von Persönlichkeitsentwicklung betrachten? Weg von Hedonismus im modernen Sinne von Egoismus, Konsumhaltung und materiellem Profit – hin zu grundlegenden Bedürfnissen. Zum Beispiel anhand antiken Vorstellungen wie die von Aristippos (ein Zeitgenosse von Sokrates), der ein Teil von Hedonismus als „Ataraxie“, den Zustand vollkommener Seelenruhe, beschreibt. Voraussetzung für Persönlichkeitsentwicklung ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion, wenn dabei noch Achtsamkeit ins Spiel kommt, dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Veränderungsprozess stattfinden kann. Wenn wir es wagen uns selbst zu hinterfragen, zurückzugreifen auf bestehende und bewährte Weisheitskonzepte der Geschichte und die damaligen Erkenntnisse mit der heutigen Zeit und Rahmenbedingungen verknüpfen, tun sich uns neue Türen auf.

Und zum Abschluss ein schönes Zitat von Viktor Frankl: „Der Mensch ist das Wesen, das immer entscheidet. Und was entscheidet es? Was es im nächsten Augenblick sein wird.“

Die Rosinenübung; Schulung von Wahrnehmung und Achtsamkeit:

Nehmen Sie eine Rosine und schauen Sie sie 2-3 Min. lang an ohne zu sprechen

Danach nehmen Sie die Rosine in die Hand und spüren 2-3 Min. zwischen Ihren Fingern

Schliessen Sie die Augen und bearbeiten Sie die Rosine 2-3 Min. lang mit Ihren Fingern und achten auf die dabei entstehenden Geräusche

Danach riechen Sie mit geschlossenen Augen für dieselbe Zeitspanne an der Rosine

Als Nächstes dürfen Sie die Rosine in den Mund nehmen aber ohne sie zu schlucken! Versuchen Sie auch hier 2-3 Min. lang darauf zu konzentrieren.

Jetzt dürfen Sie sie genussvoll verzehren.

Schön, haben Sie sich darauf eingelassen…

Autoren: Alessandra C. Bodmer, Silvio Roduner

 


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